Es gibt Muster die wiederholen sich in schöner Regelmäßigkeit immer wieder. Eines davon ist der Streit um Begrifflichkeiten, wenn es doch eigentlich um die Ideen dahinter gehen sollte.
Häufig tritt es als Reflex auf, wenn man sich selber mit einem Thema intensiver beschäftigt hat. Dann nämlich ist man mit den Begriffsdefinitionen und -verwendungen in dem Bereich vertraut, und meint daraus eine Allgemeingültigkeit dieser Festlegungen abzuleiten.
Natürlich muss man sich bei einer Diskussion klar machen worüber man eigentlich spricht, und wenn man verwendete Begriffe definiert ist das sicherlich hilfreich, allerdings ist es häufig wenig sinnstiftend, wenn man anderen vorschreiben will, was sie wie zu benennen haben und wie nicht. Ein Zitat welches es sehr schön auf den Punkt bringt, ist aus der Einleitung zum Glossar in Gerhard Schulzes Buch “Die Ergebnisgesellschaft” (sehr lesenswert):
Wenn man sich die unendliche Geschichte terminologischer Auseinandersetzungen in der Sozialwissenschaft vergegenwärtigt, etwa die Debatten über die Begriffe Kultur, Politik, Situation, Ästhetik u.a., wird man bei der Konzeption eines terminologischen Systems von der Vorahnung begriffsrealistischer Einwände befallen: Begriff X sei ja eigentlich etwas ganz anderes; die wirkliche Bedeutung von Konzept Y werde durch die Definition nicht erfasst; Terminus Z sei falsch expliziert, sein wahrer Gehalt sei von dieser Explikation verschieden usw. Dass die platonische Ideenlehre nur noch philosophiegeschichtliche Relevanz hat, dass die Konstitution von Bedeutung und ihre Gleichsetzung mit Sprachzeichen durch Definition immer nur nach Zweckmässigkeitskriterien, nicht nach dem Gesichtspunkt der Wahrheit beurteilt werden kann, ist eine wissenschaftstheoretische Trivialität, die keine Erwähnung mehr verdiene, würde sie nicht ständig missachtet.
Quelle: Die Erlebnisgesellschaft, G. Schulze, S.731
