Mein erster "IBM kompatibler" · 28. Januar 2005, 12:04

Ja, früher hießen die PCs noch IBM kompatible und es wurde mit “niedrigen” Preisen gelockt, auf die dann später jeder Spökes nochmal extra drauf gerechnet wurde. Etwas das Apple mit dem Mac Mini jetzt wieder für sich entdeckt.

1992 war auch die Hardware noch in anderen Dimensionen. In der Schule im Computerraum hatten wir noch (damals schon) prähistorische XTs, also quasi 086er, mit monochrom Bildschirm. Da gegen stand einem mit meinem neuen 486er mit 33 Mhz die ganze Welt offen. Wobei, das 14.400er Modem kaufte ich mir erst viele Monate später, und einwählen konnte man sich auch nur in lokale Mailboxen, wegen der Telefonkosten. Dafür konnte man atemberaubende Grafiken darstellen, nicht umsonst habe ich mir die SVGA-Grafikkarte mit 1 MB gekauft. Mit POV-Ray konnte man sich so sehr realistische Szenarien “modellieren” (d.h. endlose Zahlenreihen eingeben bzw. per Skript generieren lassen) und dann rendern lassen. (Da habe ich dann auch festgestellt, dass ich keinerlei künsterisches Talent besitze, was den Besucher dieser Site nicht überraschen dürfte.)

Gewerkelt und gespielt wurde übrigens in der Regel unter DOS, Win3.11 war zwar immerhin schon besser als GeoWorks ( inkl. Maus!) vom C64, aber so richtig nützlich fand ich es damals nicht. Und auch ohne Internet gab es schon genug Hoaxes. So habe ich mich monatelang, auf Anraten von jemanden der sich damit auskennen sollte, davor gefürchtet die Datei “command.com” zu starten, weil es die komplette Software kaputt hauen würde. Irgendwann war dann die Vernunft (oder vielleicht doch die Neugier?) größer und ich dachte ein ausführbarer Befehl, noch dazu im Hauptverzeichnis und vom Betriebssystem kann ja eigentlich nicht so gefährlich sein. Und tatsächlich passierte beim starten… nichts außergewöhnliches, nur ein “neues” Prompt das identisch war mit dem alten. (Solche Episoden verdrängt man unbewußt schnell, wenn man sich später viele Jahre mit Newbies rumschlägt und fassungslos ist, über die Dinge welche sie glauben, machen und annehmen. Ich bekenne mich schuldig.)

Vorne am Gehäuse gab es noch eine Anzeige für die Taktfrequenz für zwei Ziffern (ähnlich wie bei einer Digitaluhr), man konnte an den Jumpern herumstellen, und so vorne seine Initialen anzeigen lassen. Das würde dann wohl heute unter Case-Modding fallen…

Den Rechner habe ich dann Ende 1993/Anfang 1994 wieder verkauft, als feststand, dass ich als Austauschschüler für 11 Monate weg sein würde. Denn obwohl Moore’s Law zwar bis heute Gültigkeit hat, waren die daraus resultierenden tatsächlich sicht- und fühlbaren Verbesserungen und neuen Funktionalitäten pro Zeitraum um viele Größenordnungen besser als heute. Nur den Drucker (einen HP 550C, der erste Drucker der gleichzeitig Platz hatte für zwei Patronen für Schwarz und Farbe) habe ich behalten (hat ja auch > 1.000 DM gekostet), denn bei den Druckern würde sich sicher nichts ändern, da war ich mir sicher.

So kam ich dann Ende 1995 zu meinem zweiten Rechner, einem Pentium 90, der immerhin eine 1GB Festplatte hatte. Dieser Recher leistet übrigens heute noch fleißig sein Arbeit im erweiterten Familienkreis, und zwar durchaus zur täglichen Arbeit, also Textverarbeitung, Internet & E-Mail (mit der selben Festplatte, aber einem RAM-Upgrade). Übrigens werkelt daran noch immer derselbe HP 550C als Drucker. Desweiteren konnte man sich jetzt schon Soundkarten leisten, 330,- DM für eine Soundblaster Pro, so konnte man per Midi-Kabel sein Keyboard (das zum Musik machen) ansteuern, und Lieder einspielen und abspielen (da stellte ich dann fest, dass ich auch kein musikalisches Talent hatte ).

Immerhin gab es mittlerweile schon 33.6er Modems zu kaufen, und neben den lokalen Mailboxen, konnte man sich nun auch bei verschiedenen Providern Zugang zum Internet holen. Das hatte ich in den USA gesehen, von dort hatte ich mir auch ein Buch mitgebracht, welches den bescheidenen Titel trug: “The Whole Internet”, und im Anhang eine Adress-Liste von Internet-Providern in allen Ecken der Welt hatte. Sogar eine handvoll in Deutschland. Ansonsten verbrachte das Buch einen Großteil damit Protokolle und Dienste zu erklären die da eigentlich schon überholt waren (vielleicht kennt jemand ja noch Archie & Gopher), schliesslich gab es ja das WWW (welches immerhin auch ausführlich im Buch erläutert war). Als ich einige Jahre später an der Uni anfing, war der Internetzugang sogar noch billiger zu bekommen: Statt Telefongebühren (12Pf/4 Min) + Internet gebühren (6Pf/Min) bezahlen zu müssen, trug man nur noch die Telefongebühren. Mittlerweile kommt man übers Handy mit ähnlichen Geschwindigkeiten und ähnlichen Preisen ins Internet.

Die Rechnungen für die Hardware habe ich übrigens gestern beim aufräumen gefunden. Garantie ist heute zwar keine mehr auf den Geräten, aber wegschmeissen werde ich sie trotzdem nicht mehr.


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